Eine neue Anfrage kommt rein, und jemand muss sie ins CRM übertragen, den Vertrieb informieren und eine Antwort-Mail schicken. Solche Abläufe sind jeden Tag gleich, und genau dafür gibt es Automations-Tools. Zwei Namen fallen dabei besonders oft: Zapier und n8n.
Beide verbinden deine Programme miteinander und nehmen dir Routinearbeit ab. Sie unterscheiden sich aber deutlich darin, wo sie laufen, wie sie abrechnen und wie viel du selbst in der Hand hast. Dieser Artikel stellt beide fair gegenüber, damit du einschätzen kannst, welches Werkzeug zu deinem Unternehmen passt.
Was Automations-Tools machen
Das Prinzip ist bei beiden gleich. Ein Ablauf beginnt mit einem Auslöser, zum Beispiel einem neuen Eintrag in einem Formular, einer neuen E-Mail oder einer festen Uhrzeit. Danach folgen Aktionen: Daten werden gelesen, umgewandelt und an andere Programme weitergegeben.
Ein typisches Beispiel aus dem Vertrieb:
- Jemand füllt auf deiner Website ein Anfrageformular aus.
- Dein Vertrieb bekommt sofort eine Nachricht per Telegram oder E-Mail.
- Der Kontakt wird mit allen Angaben im CRM angelegt.
- Der Interessent erhält automatisch eine erste Mail.
Bei Zapier heißt so ein Ablauf „Zap“, bei n8n „Workflow“. Gebaut wird in beiden Fällen in einer grafischen Oberfläche, in der du die einzelnen Schritte zusammensetzt.
Zapier im Überblick
Zapier ist ein reiner Cloud-Dienst. Du legst ein Konto an und kannst sofort loslegen, ohne dich um Server oder Updates zu kümmern. Die große Stärke ist die Auswahl an fertigen Verbindungen: Zapier bietet Integrationen für mehrere tausend Programme an, darunter auch viele Nischen-Tools.
Die Oberfläche führt dich Schritt für Schritt durch den Aufbau eines Ablaufs. Für einfache Verbindungen nach dem Muster „wenn hier etwas passiert, mach dort etwas“ ist das sehr zugänglich, auch ohne technische Vorkenntnisse. Verzweigungen, Filter, eigener Code und KI-Funktionen sind ebenfalls möglich, teils abhängig vom Tarif.
Abgerechnet wird nach Tasks. Vereinfacht gesagt zählt jede erfolgreich ausgeführte Aktion in einem Zap als ein Task. Je nach Tarif ist eine bestimmte Menge an Tasks pro Monat enthalten.
n8n im Überblick
n8n kommt aus Berlin und verfolgt einen anderen Ansatz. Du kannst n8n als Cloud-Version beim Hersteller nutzen oder selbst hosten, also auf einem eigenen Server betreiben. Der Quellcode ist öffentlich einsehbar. n8n steht unter einer eigenen Lizenz, die der Hersteller als „Fair-Code“ bezeichnet: Die Nutzung für interne Zwecke im eigenen Unternehmen ist erlaubt, es ist aber keine klassische Open-Source-Lizenz. Die Details stehen in der Lizenz von n8n.
Auch n8n bringt viele fertige Integrationen mit, allerdings weniger als Zapier. Dafür kann es praktisch jede Schnittstelle direkt ansprechen, auch wenn es dafür keinen fertigen Baustein gibt. Eigener Code in JavaScript oder Python lässt sich an jeder Stelle einbauen, und für KI gibt es eigene Bausteine, mit denen du Sprachmodelle und KI-Agenten in deine Abläufe einbindest.
Bei der Cloud-Version rechnet n8n nach Ausführungen ab: Ein kompletter Durchlauf eines Workflows zählt als eine Ausführung, egal wie viele Schritte er enthält. Wer selbst hostet, zahlt keine Gebühr pro Ausführung, sondern trägt die Kosten für den Server und den Aufwand für den Betrieb.
Die Unterschiede im Vergleich
| Zapier | n8n | |
|---|---|---|
| Betrieb | nur als Cloud-Dienst | Cloud-Version oder selbst gehostet |
| Integrationen | sehr viele fertige Verbindungen | weniger fertige, dafür jede Schnittstelle direkt ansprechbar |
| Einstieg | sehr leicht, ohne Technik | etwas mehr Einarbeitung |
| Abrechnung | nach Tasks, also einzelnen Aktionen | nach Ausführungen oder selbst gehostet ohne Gebühr pro Durchlauf |
| Komplexe Abläufe | möglich, teils abhängig vom Tarif | eine der Stärken: Verzweigungen, Schleifen, eigener Code |
| Datenhaltung | beim Anbieter in der Cloud | beim Anbieter oder auf deinem eigenen Server |
| Lizenz | proprietärer Dienst | Fair-Code-Lizenz, Quellcode einsehbar |
Tasks oder Ausführungen: was das im Alltag heißt
Der Unterschied im Preismodell klingt technisch, wirkt sich aber direkt auf die Kosten aus. Ein einfaches Rechenbeispiel zeigt, warum.
Rechenbeispiel
Ein Ablauf hat einen Auslöser und fünf Aktionen: Daten prüfen, CRM-Eintrag anlegen, Vertrieb benachrichtigen, Mail an den Interessenten senden, Eintrag in eine Tabelle schreiben. Er läuft hundertmal im Monat.
- Bei Zapier zählt jede der fünf Aktionen als Task. Das sind fünfhundert Tasks im Monat.
- Bei n8n in der Cloud zählt jeder Durchlauf als eine Ausführung. Das sind hundert Ausführungen im Monat.
Welches Modell für dich günstiger ist, hängt von deinen Abläufen und den jeweils aktuellen Tarifen ab. Die Faustregel: Je mehr Schritte ein Ablauf hat und je öfter er läuft, desto stärker fällt die Abrechnung pro Aktion ins Gewicht. Für wenige, kurze Abläufe spielt der Unterschied kaum eine Rolle.
Beim Selbsthosten fällt die Rechnung ganz anders aus. Hier zahlst du für den Server, und die Zahl der Durchläufe ist vor allem eine Frage der Leistung. Dafür kommt der Aufwand für Einrichtung, Updates und Wartung hinzu. Den solltest du ehrlich mitrechnen, egal ob du ihn selbst übernimmst oder jemanden dafür bezahlst.
Datenschutz und Serverstandort
Für viele Unternehmen in Deutschland ist das die wichtigste Frage. Durch Automationen fließen oft personenbezogene Daten: Namen, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, manchmal mehr.
Zapier ist ein US-amerikanisches Unternehmen, und die Daten werden in der Regel in den USA verarbeitet. Das ist nicht automatisch unzulässig. Zapier bietet einen Vertrag zur Auftragsverarbeitung an, und viele Unternehmen in Europa nutzen den Dienst. Du musst aber prüfen, ob die Übermittlung für deine Daten sauber abgesichert ist, und das in deiner Datenschutzerklärung angeben.
n8n bietet mit dem Selbsthosten eine Möglichkeit, die Zapier nicht hat: Du entscheidest selbst, wo der Server steht, zum Beispiel in einem Rechenzentrum in Deutschland. Die Daten verlassen dann nur den Server, wenn dein Ablauf sie bewusst an ein anderes Programm schickt. Das ist ein echter Vorteil, bringt aber auch Verantwortung mit sich: Updates, Sicherungen und die Absicherung des Servers liegen dann bei dir oder bei dem, der ihn für dich betreibt. Auch bei der Cloud-Version von n8n lohnt ein Blick in den Vertrag zur Auftragsverarbeitung und die Angaben zum Serverstandort.
Wichtig bei beiden Tools: Der Datenschutz hängt nicht nur vom Automations-Tool ab, sondern von allen Programmen, die du damit verbindest. Wenn dein Ablauf Daten an einen Dienst in den USA schickt, ändert ein Server in Deutschland daran nichts. Im Zweifel klärst du das mit deinem Datenschutzbeauftragten.
Wann Zapier die bessere Wahl ist
- Du willst schnell starten und dich nicht um Server oder Updates kümmern.
- Deine Abläufe sind überschaubar: wenige Schritte, nicht allzu viele Durchläufe im Monat.
- Du nutzt Nischen-Programme, für die es bei Zapier fertige Verbindungen gibt.
- In deinem Team gibt es niemanden, der sich mit Schnittstellen beschäftigen möchte.
- Die Datenverarbeitung in den USA ist für deine Daten geklärt und vertretbar.
Wann n8n die bessere Wahl ist
- Deine Abläufe haben viele Schritte oder laufen sehr oft.
- Du willst selbst bestimmen, wo deine Daten verarbeitet werden.
- Du brauchst Verbindungen zu Programmen, für die es keinen fertigen Baustein gibt.
- Du willst KI-Schritte flexibel in deine Abläufe einbauen.
- Jemand kümmert sich um Einrichtung und Pflege, du selbst oder ein Dienstleister.
Es gibt auch Unternehmen, die beide nutzen: Zapier für schnelle, einfache Verbindungen und n8n für die Abläufe, bei denen es auf Kontrolle und Flexibilität ankommt. Sinnvoll ist das aber nur, wenn jemand den Überblick behält.
Warum wir mit n8n arbeiten
Wir bauen alle unsere Automationen mit n8n, für uns selbst und für Kunden. Der Hauptgrund ist die Flexibilität: Wir können jede Schnittstelle ansprechen, KI dort einbauen, wo sie wirklich Arbeit abnimmt, und bei Bedarf selbst bestimmen, wo die Daten verarbeitet werden.
Bei uns laufen zum Beispiel diese Abläufe über n8n: Meldungen per Telegram und E-Mail, sobald eine neue Anfrage aus einem Funnel eingeht, die Übergabe der Anfrage ins CRM, Follow-up-Mails an Interessenten, ein Wochenbericht jeden Montag und das tägliche Abholen neuer Reels für unsere Website. Mehr dazu, was wir für dich automatisieren können, findest du auf der Seite KI-Automation mit n8n.
Das heißt nicht, dass Zapier ein schlechtes Werkzeug ist. Wenn du schnell und ohne Technik ein paar Programme verbinden willst, ist es oft der einfachere Einstieg.
Fazit
Zapier und n8n lösen dasselbe Problem auf unterschiedliche Weise. Zapier punktet mit einem sehr leichten Einstieg und einer riesigen Auswahl an fertigen Verbindungen, rechnet aber jede Aktion einzeln ab und läuft ausschließlich in der Cloud. n8n verlangt etwas mehr Einarbeitung, ist dafür flexibler, rechnet pro Durchlauf ab und lässt sich auf einem eigenen Server betreiben.
Für kleine Unternehmen mit wenigen, einfachen Abläufen ist Zapier oft der schnellere Start. Wer viele oder umfangreiche Abläufe hat, Wert auf Kontrolle über die Daten legt oder KI tiefer einbinden will, fährt mit n8n meist besser. Entscheidend ist am Ende nicht das Tool, sondern ob die Abläufe sauber durchdacht sind und jemand sie im Blick behält.
